Kontext

Kontext in mobilen Anwendungen

Ich habe von 2005 bis 2012 an der technischen Universität in Wien das Bachelorstudium Medieninformatik absolviert. Die Mindeststudiendauer beträgt 3 Jahre, wenn man sich voll reinhängt. Ich musste die meiste Zeit auch nebenher Arbeiten und habe darum 7 Jahre dort verbracht. Jetzt möchte ich euch meine Abschlussarbeit kurz zusammenfassen. Es geht darum wie die Umstände und das persönliche Umfeld eines Benutzers seine mobilen Anwendungen am Smartphone beeinflussen kann. Dieses Thema interessierte mich damals und tut es heute noch. Es gab die wildesten Befürchtungen, dass der Spion in unserer Hosentasche und jederzeit überwacht. Viele Menschen fürchten deshalb diese Technologie. Zum Teil zurecht. Andererseits wäre es aber sehr hilfreich wenn uns unser Handy einige Aufgaben abnehmen könnte, wenn ein Algorithmus ey schon weiß was wir als nächstes brauchen. Jetzt würde ich sagen, starten wir mit der Zusammenfassung meiner damaligen Arbeit.

Meine Forschungsfrage in meiner Bachelorarbeit war damals: Wie beeinflusst die zunehmende Verfügbarkeit von Kontextinformationen die Entwicklung von mobilen Anwendungen?

Was ist Kontext

Im Duden wird der Kontext zum Beispiel so beschrieben: “Der umgebende inhaltliche Zusammenhang, in dem eine Äußerung steht, und der Sach- und Situations Zusammenhang, aus dem heraus sie verstanden werden muss.“

Eine allgemeine Definition eines Informatikers könnte so aussehen: Der Kontext beschreibt eine Situation und die Umgebung, in der ein Gerät oder ein Benutzer ist. Ein Kontext hat mehrere Merkmale. Jedes Merkmal kann bestimmte Werte annehmen, die vom Kontext spezifiziert werden. 

Ich versuche es mal anders zu erklären: Um den Kontext geht es hauptsächlich im Film Avatar. Darum hat er mir auch so gut gefallen. Auf diesem fernen, erdähnlichen Planeten leben humanoide Lebewesen die in ständiger Verbindung mit ihrer Umwelt stehen. Jedes Lebewesen ist mit allen anderen jederzeit mental verbunden. Die Gesamtsituation beeinflusst die Situation des einzelnen. Auch wenn das wie eine ausgedachte Phantasiewelt klingt, ist es real. Denn genau das trifft auch für uns alle zu. Nur sind wir Menschen meist nicht weitsichtig genug das zu verstehen. Wir alle beeinflussen unsere Umwelt und umgekehrt. Jederzeit. Und da das so ein fundamentales Konzept des Lebens ist, wird auch versucht das in Computerprogramme einfließen zu lassen.

Es gibt viele Arten von Informationen über den Kontext eines Benutzers. Einige davon sind aus heutiger Sicht nicht relevant, weil sie schwer quantifizierbar oder in Anwendungen nutzbar sind. Dazu zählt zum Beispiel der Gefühlszustand eines Anwenders. Andere jedoch kann man leichter messen und diese werden zum Teil heute auch schon verwendet, um mobile Anwendungen zu bereichern oder zu steuern. Einige davon möchte ich hier erwähnen. 

Zeit, Ort, Bewegung, Beschleunigung, Temperatur, Helligkeit, Verbindungsqualität, Batteriestatus, Wetter, Geräusche, Luftdruck, Kompass, Aktivitäten wie Gehen oder Autofahren und auch das bisherige Verhalten des Benutzers.

All das sind Messgrößen die man mit einem Handy zur Verfügung hat um Rückschlüsse über den Kontext des Benutzers zu schließen.

Nutzung

Ein mobiles Gerät wird nun mal nicht in einem Labor verwendet. Für die meisten Menschen ist es ein ständiger Begleiter in allen Lebenslagen. Deshalb könnte man dieses besondere Näheverhältnis zum Besitzer nutzen um ihm oder ihr gewisse Aufgaben abzunehmen.

Noch in den 80er Jahren wurden Einflüsse von Außen als Störung für ein Computerprogramm angesehen. Ein Programm hatte eine fest definierte Eingabe die zu einem vorhersehbarem Ergebnis führte. Die Verbreitung der Smartphones mit ihren zahlreichen Sensoren hat hier zu einem Umdenken geführt.  

Ein sehr großer Durchbruch auf diesem Gebiet war als am 1.Mai 2000 die US Regierung das GPS für alle freigegeben hat. Erst dann konnte man bis auf ca. 10 Meter genau die Position bestimmen und das hat bisher viele Anwendungsgebiete gefunden.

Probleme

Wenn viele Daten ständig gesammelt und ausgewertet werden entstehen dadurch natürlich auch neue Probleme. Zum einen ist damit sicher ein höherer Akkuverbrauch bei mobilen Geräten verbunden. Denn die ganzen Sensoren brauchen viel Strom. Wenn man zB eine Internetverbindung benötigt um ein Feature umzusetzen bekommt man spätestens dann Schwierigkeiten wenn die Nutzer in den Bergen unterwegs sind. Außerdem muss man auch genau wissen welche Daten man eigentlich verwenden darf. Und die Nutzer müssen bescheid wissen welche Daten sie preisgeben. Diese persönlichen Daten muss man dann auch vor dem Zugriff von Dritten schützen. Viele Menschen wollen ja auch ganz einfach nicht ständig überwacht werden. Manche empfinden das eher als Spionage auch wenn der Entwickler nur Helfen wollte. 

Anwendungsbeispiele

Relativ bekannte Beispiele von Kontextsensitiven Apps sind sicher Siri und der Google Assistent. Die beiden haben sich ja vorgenommen dem Nutzer möglichst proaktiv Informationen anzuzeigen basierend auf dem bisherigen Verhalten, Interessen oder Terminen.

Schluss

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass die zunehmende Verfügbarkeit von Kontextinformationen die Entwicklung von mobilen Anwendungen stark beeinflusst. Je mehr Möglichkeiten es gibt Umweltinformationen zu sammeln, desto mehr mögliche Anwendungen dafür entstehen.

Das war also eine Kurzform meiner Bachelorarbeit aus dem Jahr 2010. Dieses Thema find ich immer noch interessant. Und rückblickend ist es sehr lustig zu sehen, dass ich jetzt fast 10 Jahre später wieder oder immernoch mit diesem Thema zu tun habe. Denn in meiner Zweig App will ich ja genau so etwas machen. Ich will mit hilfe von verschiedenen Handy Sensoren eine Entscheidung im Hörspiel treffen. Bisher verwende ich in meinen ersten 2 Hörspielen noch nicht sehr viele Sensoren. Ich habe aber schon vor das noch auszubauen. Wenn ich die Zeit dafür finde. Ich würde zumindest gerne noch die Kamera mit einbeziehen und auch für Machine Learning hätte ich eine erste Idee wie ich das in einer Geschichte verwenden könnte. Mal schaun was draus wird. Bis dahin kann ich euch nur sagen: Seid euch eures Kontextes bewusst und schaut euch mal die Zweig App an. Wie gefällt es euch wie ich dort die verschiedenen Sensoren benutze?

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