Hörspielproduktion

Hörspielproduktion Reitwang | Vom Skript zum Master

Wie kommt man von einem fertigen Hörspielskript zu einer fertigen Hörspielproduktion?

Die Geschichte

Am Anfang war das Wort. Bevor man ein Hörspiel machen kann, braucht man erst mal eine Geschichte die man erzählen will. Wer sich traut oder wer das Hörspiel nur für seine privaten Zwecke machen will, kann sich natürlich an dem reichen Schatz der schon vorhandenen Geschichten bedienen. Es spricht ja nix dagegen mal eben ein aktuelles Bestseller Buch als Hörspiel zu produzieren. Aber ich gehe mal davon aus, dass du nicht unendlich Zeit und Geld zur Verfügung hast. Denn so ein Projekt wäre wohl sehr aufwendig und am Ende wird man noch verklagt, weil man geistiges Eigentum gestohlen hat. 

Also wirst du wohl selbst eine Geschichte erfinden müssen. Ich denke die muss jetzt nicht besonders genau sein. Es muss auch kein fertiger Roman sein. Es reicht schon wenn man den Verlauf der Geschichte kurz umreißt. Vieles davon muss man im nächsten Schritt sowieso neu schreiben. 

Das Skript 

Ein Hörspielskript soll eine ganz genaue Beschreibung aller Szenen sein. Und zwar so genau, dass ein Fremder sich vorstellen kann wie das dann klingt. Beschreibe wo sich die Szenen abspielt. Welche Hintergrundgeräusche gibt es? Der Text von allen Personen wird hier genau bestimmt. Auch die Stimmung der Personen wird beschrieben. 

Hier muss man sich dann auch entscheiden wie die Geschichte erzählt werden soll. Also aus welcher Perspektive. Hört man einfach wie die Menschen ihre Dialoge führen oder gibt es einen Erzähler oder beides?

Hier ist es auch wichtig das Skript übersichtlich zu formatieren. Denn das wird die Vorlage, die alle Beteiligten während der Produktion als Referenz verwenden. Verwende immer die selbe Formatierung für Szenennamen, für Geräusche, für Szenenbeschreibungen und Text damit man während der Aufnahme schnell erkennen kann was was ist. Dafür gibt es im Netz auch Styleguides zu finden. 

Charaktere entwickeln

Wie eine Person spricht überlasse ich den Menschen die die Aufnahmen machen. Im Skript gebe ich nur vor ob jemand im Dialekt spricht oder ob etwas wütend geschrien oder geflüstert wird. Die eigentliche Sprechweise überlasse ich den Sprechern. Bei den Aufnahmen zum “Reitwang” Hörspiel habe ich selbst einige Rollen übernommen. Dabei habe ich mir schon zu jedem Charakter eine Art zu sprechen überlegt. Vor allem damit sich die Stimmen auch etwas unterscheiden. Das ist aber etwas, das sich erst im Laufe der Geschichte entwickelt. Man muss erst mal die ganze Geschichte verstehen, bevor man einem Charakter einen Sprechart gibt. Bei Reitwang war zum Beispiel der Erzähler sehr ruhig, langsam und mit tiefer Stimme. Die Hauptperson, der Markus hatte eine hohe, aufgeregte Stimme. Der war immer sehr hektisch. 

Wenn andere Menschen für mich aufnehmen, tun sich die damit wahrscheinlich etwas schwer. Weil sie ja nicht wissen was ich mir beim schreiben der Geschichte gedacht habe. Ich will hier aber keine genauen Vorgaben machen. Das macht es viel spannender. Ich war bisher immer positiv überrascht wie andere Menschen meine Geschichte zum Leben erwecken. 

Die Sprecher 

Bei den meisten Geschichten wird es wohl so sein, dass mehrere Personen vorkommen. Somit braucht man dann wohl auch mehrere Menschen die diese Sprechen. Ich wollte in meiner Geschichte “Reitwang” eigentlich eine Hauptperson haben. Damit war die Geschichte aber schwer zu erzählen. Also habe ich noch einen Erzähler erfunden. Als die Geschichte fertig war, habe ich festgestellt, dass ich 13 Personen erfunden habe. Und da denkt man sich erst mal: “Oh nein, wer soll die alle sprechen?” 

Tja, wer Geld hat kann sich auf diversen Internetplattformen Sprecher kaufen. Das habe ich noch nicht gemacht. Darüber kann ich nichts sagen. Der einfachste Zugang ist hier wohl, einfach mal bei seinen Freunden anzufragen. Ich hab es so gemacht, dass ich vor allem bei denen nachgefragt habe, bei denen ich wusste, dass sie eine Audioaufnahme Ausstattung habe. Für alle Stimmen die noch übrig waren habe ich dann Leute gesucht die ich persönlich treffen kann um mit meiner eigenen Ausstattung aufzunehmen. 

Die Aufnahme

So aufzunehmen ist natürlich weit weg vom Idealzustand. Eigentlich sollte alles mit dem selben Mikrofon im selben Raum aufgenommen werden. Und bei einem Dialog sollten auch alle beteiligten Sprecher gleichzeitig, wie Schauspieler die Szene aufnehmen. Wenn man sich das nicht leisten kann, klingt eben jede Aufnahme anders. Wenn dann sehr verschiedene Aufnahmen einen Dialog bilden sollen, ist das etwas schwierig einzumischen. 

Bei meiner ersten Produktion konnte ich es mir nicht leisten auf die höchste Qualität zu achten. Dafür fehlte einfach Zeit, Geld und Raum. Ich habe es mir so einfach wie möglich gemacht. Die Stimmen die ich selbst gesprochen hab, habe ich daheim in der Küche aufgenommen. Dazu musste ich die Batterie aus der Uhr entfernen und warten bis der Geschirrspüler fertig war. Ich hab dafür ein halbwegs professionelles Kondensatormikrofon verwendet. Alle anderen, die keine Aufnahme Ausstattung hatten, habe ich einfach mit einem Diktiergerät aufgenommen.

Ich habe alle Stimmen im Equalizer und Kompressor bearbeitet und vor allem für alle Stimmen denselben Hall verwendet. Das war mich wichtig um wenigstens halbwegs einen ähnlichen Klang zu erreichen. 

Stimmen schneiden 

Aber jetzt nochmal zurück zu meiner Arbeitsweise. Nachdem alle Aufnahmen eingetrudelt sind schneide ich alle Stimmen mal. Wenn es mehrere Aufnahmen gibt muss ich die passende auswählen. Dann beschneide ich Ende und Anfang und faden ein und aus. Und dann reihe ich alle Stimmaufnahmen aneinander um einen möglichst natürlichen Dialog zu erreichen. Dabei ist es wichtig auf ein flüssiges Timing zu achten. Und dann ist eine erste Version eigentlich fertig. So wird mal schon die ganze Geschichte von den Sprechern erzählt. Das klingt dann natürlich noch sehr trocken und abstrakt.

Die Geräusche

Der nächste Schritt ist ein magischer. Denn hier wird meiner Meinung nach dem ganzen Ding Leben eingehaucht. Jetzt ist es nämlich an der Zeit Geräusche dazu mischen. Zuerst suche ich für jede Szene die passende Atmo aus. Das ist ein einfaches atmosphärisches Hintergrundgeräusch das im echten Leben einfach immer da ist. Wenn es fehlt ist das sehr auffällig. Wenn es richtig eingesetzt wird, fällt es fast nicht auf, vermittelt dem Zuhörer aber wo wir uns gerade befinden. Denn eine Wiese klingt anders als ein Zimmer.

Anschließend brauchen wir noch die Geräusche die die Personen in der Geschichte erzeugen. Das ist sowas wie: Schritte, Türen, Motoren. Schreie, Schüsse, Explosionen. Hier kann man sich kreativ austoben.

Abmischen

Wenn schlussendlich alle Stimmen und Geräusche an ihrem Platz sind, ist es höchste Zeit das ganze abzumischen. Das heißt, man bringt alle Spuren in ein gutes Lautstärke Verhältnis zueinander. Dabei darf man natürlich nie den Pegel am Masterkanal aus dem Auge lassen. Man kann also nicht einfach alles laut machen, sonst wird die Summe übersteuern. Da der Hall das ganze Klangbild stark verändert, mache ich immer zuerst einen groben Mix und gib erst dann den Hall dazu und muss dann nochmal nachjustieren.

Die einzelnen Schritte sind je nach länge des Hörspiels sehr aufwendig und zeitraubend. Hier ist es wichtig das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Man muss einfach einen Punkt finden an dem es gut genug ist. Perfekt wird es nie werden. 

Außerdem: bitte hört euch die Mischung auf verschiedenen Lautsprechern und Kopfhörern an. Es klingt wirklich überall anders. 

Mastern

Wenn nun der Mix gut genug ist, kommt noch das berühmte Mastering. Wer es sich leisten kann, beauftragt bitte einen externen Tontechniker der das übernehmen kann. Ich mach das selber und ich mach auch nix magisches. Ich verwende einen Limiter und einen Multibandkompressor. Vielleicht braucht es noch einen EQ. Aber dann reichts auch mal.

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